Normalerweise sollte heute mein erster Praktikumstag sein. Den Platz hatte ich schon seit November, aber für den genauen Termin zog es sich noch sehr lange hin. Zwischendurch wurde ich ein wenig nervös, ob ich es überhaupt bis zum Ausbildungswochenende Ende März schaffe. Ich hatte mich sehr auf den heutigen Tag gefreut, aber leider ist meine Kleine krank geworden und liegt mit Fieber im Bett. Vom Prinzip ist es nicht tragisch, es sind ja nur 4 Vormittage à 2,5 Stunden und das wird schon klappen. Aber diese Situation, aus vollem Elan überraschend gestoppt zu werden, kenne ich mittlerweile zu genüge. In der letzten Nacht gab es Schlaf nur in kleinen Portionen, immer wieder unterbrochen von "Mama" - Rufen (Durst, Kuscheln, Pippi, Schlafmusik anschalten...). Ich dachte an mein Praktikum und sah immer mehr Tage davon schwimmen. Ob es überhaupt noch wenigstens für einen Tag in dieser Woche reichen wird? In der Ferienwoche hat die Schule geschlossen und dann ist schon bald Mitte März... Ich musste mich beherrschen, meinen Frust nicht an ihr auszulassen. Als sie einmal forderte, ich soll ihre Schlafanzugshose tauschen, weil die einen Fleck hat, schimpfte ich laut vor mich hin. Es war 3.30 Uhr und ich hatte das Gefühl, noch überhaupt nicht geschlafen zu haben, war aber gleichzeitig zu genervt, um wieder einzuschlafen. Also ging ich ins Gästezimmer und machte meine Yogaübungsreihe. Es dauerte, aber es half. Ich bekam den Kopf frei und schlief in der Tiefenentspannung selig ein. Nach vier Minuten ging es mit "Mama!"-Rufen weiter. Das war zuviel für mich. Ich stand an ihrem Bett und mir liefen die Tränen über die Wangen. Natürlich tat sie mir auch sehr Leid. Sie kämpfte mit Fieber, Husten, Schnupfen und ich bedauerte mich selbst mit einem kleinen Praktikum. Aber Gefühle sind nun einmal Gefühle. Gott sei Dank musste ich irgendwann lachen. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
So und jetzt habe ich wieder Einsatz: "MAMA!" höre ich von oben...
Sat Nam
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