Sonntag, 10. Oktober 2010

Yoga im Partykeller

Gestern war ich auf einer schönen Geburtstagsfeier eingeladen. Da ich erst seit einem halben Jahr ganz auf Fleisch und Alkohol verzichte, war dies erst meine zweite größere Feier ohne alte Gewohnheiten. Früher hatte ich mich gerne erst an die Theke gestellt und ein oder zwei Gläser Sekt zum "Einstimmen" genoßen. Anfangs kam ich mir etwas verloren vor. Zwei Räume mit Menschen von denen ich einen kleinen Teil kannte. Dieses Gefühl konnte ich diesmal nicht mit einem Schluck betäuben. Ich lies meinen Blick schweifen und sah mir die Gäste genauer an. Mein erstes Interesse galt den Frauen und ihrer Kleidung. War ich doch vorher unsicher gewesen, was ich anziehen wollte. Nicht zu over- oder gar underdressed war mein Ziel gewesen. Ich sah zunächst natürlich nur, dass fast alle Frauen wesentlich hübscher und natürlich VIEL schlanker waren als ich. Automatisch zog ich meinen plötzlich als Öltank empfundenen Bauch reflexartig ein und zubbelte an meiner ehemals luftigen Tunika, die auf magische Art und Weise plötzlich an meinem Körper klebte. Eine Frau erkannte mich und plauderte mit mir. Es fiel mir schwer locker leicht zu reden in meinem Korsett. Mit einem Sekt im Blut wäre es einfacher. Ich ging zur Toilette und begutachtete mich im Spiegel. Tatsächlich ich war in 5 Minuten zu zwei Öltanks angeschwollen! Ich spritzte mir Wasser ins Gesicht und schüttelte meinen Kopf. Aufwachen! Endlich fing ich wieder an tiefer zu atmen. Ich bin doch glücklich und gut. Verflixt noch mal. Wo ist Deine Würde, wo ist Deine Anmut? Du bist doch eine tolle Frau. So wie es alle Frauen sind, jede auf ihre Art unverwechselbar und voller Kraft. Es ging besser. Ich ging zurück und genoß immer mehr die Feier. Ich musste mich zwar selbst immer wieder an das tiefe Atmen erinneren und quetschte mich zwischendurch wieder ins Korsett, aber es wurde besser. Das gemeinschaftliche Gefühl besonders beim Tanzen gefiel mir. Gerade das einzelne Tanzen im Kreis von Frauen hat etwas magisches. Es hat etwas von "Hexen" die ums Feuer tanzen um ihre Kraft zu spüren. Ich erinnerte mich an den Shakti-Dance (Kundalini-Yoga-Tanz) im Womenscamp und dachte: Super, wenn ich will kann ich das auch hier spüren.

Sat Nam
         

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