An unserer Wohnzimmerwand hängt eine Strandlandschaft mit eigenen aufgeklebten Muscheln. Sie sind für mich ein Symbol für das tägliche Auf und Ab. Sie bleiben manchmal einfach nur in der Sonne liegen. Dann werden sie wieder vom Wasser davon gespült, treten eine Reise ins Ungewisse an, tauchen ab und wieder auf. Leider fehlte mir heute zwischendurch diese Leichtigkeit des Lebens. Zwar ist es gut, wie es jetzt ist. Mein Mann hat Freude in seinem Job, ich finde durch Yoga Kraft und Vertrauen, lache mit den Kindern. Doch gleichzeitig dreht es sich in meinem Kopf. Wie wird es langfristig sein? Werden wir umziehen? Wann wird das sein? Wie wird das sein? Diese Fragen sind verständlich. Doch ich muss aufpassen, dass sie nicht ein Eigenleben entwickeln. Wie in der Meditation. Den Gedanken akzeptieren und weiterziehen lassen. Das gelingt mir natürlich nicht immer. Irgendetwas packt mich, nimmt den Gedanken und analysiert ihn auf Teufel komm raus. Erst wenn ich dann auf einmal im Keller vor der Kühltruhe stehe und mich frage, was wollte ich hier eigentlich, erkenne ich, dass ich schon lange fremdgesteuert bin. Getragen von dem Irrtum, wenn ich nur gründlich über etwas nachgrüble, werde ich die einzig wahre Lösung, die für immer und ewig gilt, finden. Das ist ein guter Nährboden für Kopfschmerzen und schlechte Laune. Gott sei Dank funktioniert das Grübelkarussell mit Kindern schlecht. Der Kleinen musste der Popo abgewischt werden, die Große brauchte Hilfe beim Buchstaben "L" finden, die Kleine forderte einen Suchtrupp für ihr geliebtes Kuscheltier und die Große fragte: "Mama, was ist eigentlich Religion?". Eigentlich ist es schön, keine Zeit fürs Rattern im Kopf zu haben.
Sat Nam
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