Heute haben wir meinen Mann zum Bahnhof gebracht. Er war ein Jahr von seinem letzten Job freigestellt, d.h. er bekam weiterhin Gehalt, durfte aber nicht ins Büro, und beginnt ab morgen eine neue Stelle in Wien. Das bedeutet eine Riesenumstellung von Vollzeitehemann und Vollzeitpapa zu Wochenendehemann und -papa. Tröstend ist, dass er einen Tag die Woche von zu Hause aus (nähe München) arbeiten darf. Aber das war beim Abschied heute nebensächlich. Nachdem unsere "Große" 6jährige Tochter die S-Bahn wegfahren sah, wandte sie sich zu mir, umarmte mich und weinte ein bisschen. "Mama, ich will nicht, das der Papa wegfährt." Bis zu dem Satz hatte ich meine Tränen noch zurückhalten können. Als sie sich von mir löste, sah sie mich verwundert an: "Mama, Du weinst ja auch!" Ich strich ihr liebevoll über ihre Wange und erklärte, dass es mich natürlich auch traurig macht. Gemeinsam gingen wir nach Hause. Es war eine eigenartige Stimmung. Ich spürte, dass die beiden mich aufheitern wollten. Die Große sammelte Blätter auf und meinte, wir könnten doch etwas Schönes für den Papa basteln. Die Kleine 3jährige fing plötzlich an zu singen: "Ich bin glücklich - ich bin gut - Sat Nam...." Wir waren gemeinsam Ende August im Yoga-Womens-Camp in Linden gewesen, daher kannte sie das Lied. Ich dachte nur, was für ein Blödsinn. Ich kann doch jetzt nicht glücklich sein. Ich bin traurig. Dieser Abschied tut weh.
Nun gut, dann wollen wir mal sehen, was passiert. Zu Hause legte ich die Kinderyoga-CD von Snatam Kaur mit "I am happy - I am good..." ein und spürte in mich hinein. Ich schälte dazu Möhren für das Mittagessen und ließ die Tränen zu. Alles verschwamm zu einem Möhrenbrei. Und plötzlich konnte ich beides gleichzeitig spüren. Die Traurigkeit und die Freude. Die Freude über die Liebe, die zwischen mir und meinem Mann ist. Denn nur dadurch gibt es das Verlustgefühl überhaupt. Und die Liebe zwischen uns und den Kindern. Wenn den Kinder das egal wäre, wäre alles viel trauriger. Mir wurde richtig warm ums Herz und ein Moment einer seligen Stille stellte sich ein.
Ich hatte später am Tag immer wieder tiefe Hänger und wollte mich einfach am liebsten irgendwo verkriechen, aber die Kinder holten mich immer wieder heraus. Ich musste immer wieder mal kurz weinen. Doch das tut gut. Die Tränen heilen und sie wollen raus, nur so bleibt mein Herz offen und warm.
Natalia Dalbir Kaur (die mit der Lotusblüte) hat mir gemailt und einen super Tipp fürs Durchhalten bei den Mantren gegeben: Wenn die Stimme kommt, die sagt, dass das doch alles totaler Blödsinn ist, dann sagt sie immer: Stop! Mir Dir rede ich um 14 Uhr.
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