Freitag, 21. Januar 2011

Grace und Bewertungen

Ich habe das Glück, dass meine große Tochter von Natur aus mit viel Weiblichkeit und Anmut ausgestattet ist. In den Kindergarten ging sie immer mit Rock, Kleid, Haarschmuck oder/und Glitzerpulli. Ihre Körpersprache ist auch eher anmutig und sie hat viel Geduld. Nur seitdem sie in der Schule ist, zieht sie keine Röcke mehr an und "verziert" sich weniger. Ich fragte sie, warum sie sich jetzt anders kleidet und sie meinte: "Röcke und Kleider sind was für kleine Mädchen und ich bin doch ein Schulkind!" Ich war erstaunt. Natürlich verstand ich, was sie meinte, doch war ich auch traurig, dass sie ihr Äußeres nach Defintionen auswählt. Zufällig hatte ich bei diesem Gespräch einen Rock an und sagte zu ihr: "Aber schau' mal, ich habe einen Rock an und bin kein kleines Mädchen mehr." Ihre Augen wurden groß und ich spürte, dass sie das ins Grübeln gebracht hat. Am nächsten Tag stand sie vor dem Spiegel, gekleidet wie immer, und fragte mich: "Mama, ist das so in Ordnung, was ich anhabe?" Ich schmunzelte und sagte ihr, natürlich, wichtig ist nur, dass sie sich wohl fühlt. Es ist wirklich nicht einfach seinen eigenen Stil zu finden. Sicher geht es am Besten über das Ausprobieren. Und da stehen dann manchmal das eigene Gefühl mit den eigenen Bewertungen den fremden Meinungen gegenüber. 

Gestern bin ich zum Yoga gegangen und habe mir ein Stirnband ins Haar gebunden. Daran habe ich eine "verspielt weibliche" Haarspange mit Glitzer angeheftet. Es war angenehm, weil mir keine Haare ins Gesicht sprangen un ich kein Haarspray verwenden musste. Als ich dann in die Yogastunde kam, sagte Sant Subagh "Oh, heute ganz sportlich!" und ich dachte, Mist, dass wollte ich nicht hören. "Sportlich" verbinde ich nicht direkt mit weiblich. Und dabei fühle ich mich mit dem "Glitzerband" viel weiblicher! Für einen kurzen Moment hat mich ihre Aussage auch verunsichert, aber dann habe ich mich wieder auf mein Gefühl konzentriert. Wie ich mich wohlfühle ist entscheidend und nicht, ob mich andere so wahrnehmen, wie ich wahrgenommen werden will....

Sat Nam     

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