Beim Meditieren geht es darum in eine tiefe Ruhe einzutauchen, Gedanken als vorbeiziehende Wolken zu sehen und vielleicht sogar Seeligkeit zu empfinden. Dies in den Alltag zu übertragen ist eine Herausforderung.
Heute war ein wunderbar sonniger Tag, wie im Frühling. Laut Wettervorhersage natürlich nur für kurze Zeit, denn der Winter ist noch nicht vorbei. Und dies auch noch an einem Sonntag, mein Mann ist da und die Kinder sind gesund. Als ich für Brötchen holen zum Bäcker ging, atmete ich die herrliche frische Luft ein und genoss die Sonnenstrahlen. Plötzlich sprang der Gedankenmotor energisch an: Dieses einmalige Wetter an diesem Januartag müssen wir unbedingt nutzen. Wir wohnen in Bayern, die Berge sind nicht weit. Meine Schritte wurden schneller, ich schaute zur Uhr. Wenn wir zügig frühstücken und dann gleich losfahren, könnten wir mittags in den Bergen sein. Meine Stirn verkrampfte sich wie eine Klingonin aus Raumschiff Voyager, mein Oberkörper beugte sich nach vorne wie eine 100 Meter - Sprinterin und meine Füße stampften laut über den Asphalt. Beim Bäcker dauerte alles furchtbar lange und die Frau vor mir konnte sich nicht zwischen Schoko- und Vanillecroissant entscheiden. Und dann waren auch noch die Brezen aus, die man doch herrlich für eine Bergtour mitnehmen kann. Als ich wieder zu Hause war, traf mich ein grausamer Anblick. Die Kinder liefen noch im Schlafanzug rum! Sie waren glücklich und genossen den Morgen ohne Schul- und Kindergartentermine. Erst jetzt wurde ich wach und spürte den Druck, den ich mir gemacht hatte und den ich gerade an meine Umwelt übertragen wollte. Ich merkte, dass heute einfach nicht der Tag für einen Ausflug ist. Vor allem weil wir gestern schon unterwegs waren. Ich erinnerte mich an den Ausdruck "das süße Nichtstun" und ließ mich darauf ein. Wir dümpelten einfach so vor uns her, räumten ein wenig auf, plauderten mit den Nachbarn übern Gartenzaun und dehnten die Mahlzeiten ins Unendliche. Die Kinder genoßen es, nicht irgendwo hin zu müssen und tauchten in ihre Spielwelten. Am Nachmittag hüllte ich mich in eine Wolldecke und setzte mich mit einem Tee auf den Balkon. Ralf setzte sich mit einem Bier daneben. Die Kinder spielten in ihren Zimmern. Wir schlossen die Augen, ließen die Sonnenstrahlen auf unserer Haut tanzen und kuschelten uns aneinander. Wie in den Bergen auf der Terrasse einer Berghütte....
Sat Nam
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