Heute sind wir mit dem ICE zurückgefahren. Nach fünf Stunden Fahrt mussten wir in die S-Bahn umsteigen. Die Kleine 3jährige war sehr müde und geschafft. Am Bahnsteig im S-Bahn-Tunnel hockte sie sich mit Kuscheltier und Schnuller im Mund hin, weil es keine Sitzwarteplätze mehr gab. Ich sagte ihr, dass wir bald da sind und sie es bald geschafft hat. Sie hatte die Nacht vorher schlecht geschlafen und ihre Bindehautentzündung war noch nicht ganz abgeheilt. Die S-Bahn kam und ich dachte, prima, schnell hinein, dann kann die Große im Sitzen den Koffer festhalten und ich nehme die Kleine auf meinen Schoß. Leider war die S-Bahn so voll, dass wir uns nur noch hineinquetschen und froh sein konnten, dass die Tür hinter uns zugeht. Die Kleine war von vielen Erwachsenen umzingelt und schaute hilflos um sich. Ich streichelte ihr Wange und sprach ihr Mut zu. Die Fahrt schien endlos. Nur wenige stiegen an den Stationen aus, aber noch mehr wollten hinein. Sie schaute mich an und sagte: "Mama, ich kann nicht mehr! Ich will nach Hause." Mir war so elend zu Mute, ich spürte wie auch meine Kraft nachließ und ich am liebsten los geweint hätte. Ich dachte plötzlich an die Juden, die damals in den Waggons eingepfercht zum KZ gebracht wurden. Natürlich sank die Stimmung von der Kleinen weiter. Dann fiel mir ein, dass wir in der Kinderyogaausbildung davon gesprochen haben, dass die Kinder bis ungefähr zum fünften Lebensjahr in der Aura der Mutter sind und wenig Chancen haben sich davon abzugrenzen. Wenn ich also will, dass es ihr besser geht, muss ich mich auf helle Gedanken und nicht auf düstere konzentrieren. Ich atmete tief durch, was mir zuerst sehr schwier fiel, da die Luft in dem Zug ziemlich schlecht war. Doch ich dachte daran, dass wir eben Menschen sind und alle die gleiche Luft atmen. Punkt. Ich atmete endlich tief durch und wartete auf ein Mantra. Es kam "Sat Siri Siri Akaal". Die Wassermannmeditation zum Durchhalten. Ich sang sie im Kopf, beruhigte mich und damit natürlich auch mein Kind.
Egal wie wenig Möglichkeiten auch da sind, ein Mantra im Inneren singen, geht immer und überall.
Sat Nam
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