Mittwoch, 30. März 2011

Dem Ball ausweichen und standhaft bleiben

Schon seit einigen Monaten bemerkte ich einige Beschwerden in meinem Körper, die Nebenwirkungen meiner Spirale von Mirena sein könnten. Doch immer wieder schob ich meine Bedenken zur Seite. Es ist doch so bequem damit. Ich muss mich um nichts kümmern, keine "nervigen" Tage... Aber auch keine Orientierung über meinen Zyklus und mein Frau sein. Am letzten Ausbildungswochenende sprach ich zufällig nach dem Essen darüber und erfuhr, dass es zwei anderen Frauen auch so ergangen ist und dass sie sich erheblich besser fühlten nachdem die Mirena entfernt wurde. Das war die Bestätigung, die ich noch brauchte. Und die Erkenntnis, es ist egal, ob etwas wissenschaftlich belegt ist oder nicht, wenn ich mich damit unwohl fühle, ist dieses Gefühl entscheidend. Da ich wusste, dass ich bei meiner Frauenärztin erst in zwei Monaten einen Termin bekomme und Notfalltermine sehr ungünstig um die Mittagszeit liegen, wann ich die Kleine vom Kiga abhole und die Große aus der Schule kommt, bin ich einfach so beherzt und entschlossen hingegangen. Ich dachte an die Klarheit und das Selbstbewusstsein von Miriam am letzten Ausbildungswochenende. Mein Kopf analysierte und entwarf verschiedene Szenario, was ich sagen könnte. Von Dramatisieren (mit verkrampften Gesicht vor dem Empfangstresen stehen, sich den Unterleib halten und sagen: "Entschuldigung, kann ich mich setzen? Ich kann vor Schmerzen kaum gehen...") bis zur Rambo-Methode ("Entweder sie holen mir das Ding jetzt raus oder ich schieße mit Tampons um mich!") war alles dabei. Ich gab mir einen Ruck und dachte: Nein. Es reicht, wenn ich mir in meinem Gefühl klar bin. Ich muss nichts erklären, nichts rechtfertigen und nichts dramatisieren. 

Vor der Eingangstür atmete ich tief durch und stellte mich aufrecht so hin wie  wir es am WE gelernt hatten. Ich fand die Position, wo ich festen Stand habe. Entschlossen ging ich in die Praxis. Vor mir stand noch eine andere Frau an der Anmeldung. Ich zog meine Jacke aus und hing sie an die Garderobe. Dann ging ich zur Toilette. Ich verhielt mich wie eine Patientin, die einen festen Termin hatte. Als ich dran war, zog ich meine Versichertenkarte und hielt sie der Sprechstundenhilfe hin. Sie nahm sie prompt an. "Ich habe keinen festen Termin. Dafür 2 1/2 Stunden Wartezeit. Ich will die Mirena entfernen lassen." Sie fing sofort an los zu zetern. "Das ist kein Notfall. Für solche Fälle haben wir besondere Zeiten...." Sie wollte spielen. Sie schoss mir wütend ein paar verbale Bälle hin. Ich dachte an das Thema Projektionsfläche (für Kinder und Eltern in der Rolle der Kinderyogalehrerin) und das es gut ist in einer neutralen Position zu bleiben, d.h. ruhig, gelassen und mit offenem Herzen. Sie hält ja auch nur die Anweisungen ihrer Chefin ein. Ich sagte nichts, wich ihren "Bällen" aus, ließ sie einfach neben mir auf den Boden fallen. Ich hörte ihr zu und beobachtete mit Freude, dass sie trotz ihrer Worte ("Ich kann sie nach Hause schicken...") meine Chipkarte in das Lesegerät steckte und den Computer bediente. Ich erklärte ihr nur, dass ich zu der Notfallzeit nicht kann und das ich bis Viertel vor Zwölf fertig sein muss. 

Es war ein toll, dass ich einfach meinem Gefühl gefolgt bin und bei mir geblieben bin. Ganz klar und stabil.... Danke liebes Universum für diese Erfahrung!

Sat Nam   

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