Sonntag, 7. November 2010

Froher trüber Novembertag

Heute konnten wir die Sonne nur wenige Minuten sehen. Die Blätter sind ab, der Regen und das trübe Landschaftsbild sind dafür sehr präsent. Beim Spaziergang dachte ich mir, warum gibt es eigentlich diese Jahreszeit? Keine Antwort. Enttäuscht steckte ich meine Hände in die Jackentasche und stampfte trotzig weiter durch den Wald. Meine eine Hand fühlte mein Handy. Ich holte es hervor und sah eine wundervolle sms. Eine Freundin hatte ihr erstes Kind bekommen. Es muss toll sein, im November Geburtstag zu haben. Da gibt es auf jeden Fall einen festen Tag auf dem man sich sehr freuen kann. Und es gibt eine Party zu dem alle Freunde dankbar kommen können. Freunde sind immer wichtig, aber in diesem Monat sind sie besonders wertvoll. Bei einem warmen Tee zusammensitzen, wenn möglich auf ein Kaminfeuer starren, interessante Gespräche führen, schöne Musik hören... Oder Schubladen aufräumen und neben Müll vielleicht ein paar Schätze finden, ein altes Puzzle zu Ende bringen, Gitarre spielen, Adventskalender füllen, ....

Ich bin glücklich - Ich bin gut...

Sat Nam   

Samstag, 6. November 2010

Franz im Glück

Bei der Herzöffner-Meditation ist mir aufgefallen, dass die Handflächen beim zweiten Teil eine unglaubliche Wärme abgeben, so als könnten wir die aufgebaute Energie der ersten Übung als Segen ans Universum abgeben. Beim dritten Teil, wo wir die Arme nach oben strecken fühle ich einen Energieaustausch zwischen oben und unten. So als würde eine innere Stimme sagen: Gebe die Kontrolle ab. Vertraue einfach. Lasse los. Loslassen paßt sehr gut zum Monat November, wo Allerheiligen und Volkstrauertag stattfinden. Sich wieder besinnen auf das Wesentliche, was im Inneren geschieht. Dass nichts Materielles ewig dauert, nur die Seele unsterblich ist. Das ist tröstend. Ich wünsche mir, dass ich viel häufiger die Dinge geschehen lassen kann, ohne zu planen und zu grübeln. Die Freude am reinen Sein möchte ich viel mehr zulassen. 

Heute waren wir mit den Kindern wandern. Die Große wollte unbedingt einen dicken Stein mit hoch auf die Alm nehmen. Wir versuchten es ihr auszureden. Sie könne den Stein doch auf dem Rückweg mitnehmen. Sie blieb stur und schleppte ihren "Schatz" weiter. Kurz vor dem Ziel purzelte der Stein einen Abhang hinunter. Sie blieb erstaunlich gelassen und sagte nur: "Ach, Mama, das ist wie bei Franz im Glück, der hat auch den Stein in den Brunnen fallen gelassen. Das war auch nicht schlimm. Der hat ja was anderes dafür gekriegt." Ich kam mir vor wie eine Schülerin, die eine Lektion zum Thema Loslassen bekommen hatte. Und ich weiß nun, dass sie fast keine Zugereiste mehr ist. Nicht der Hans sondern in Bayern ist der Franzl im Glück...     

Beim Internetsurfen fand ich eine andere Erklärungen zu den 40 Tagen: 40 Tage lang täglich eine Übung bedeutet eine Veränderung des Bewußtseins, 90 Tage reinigt das Unterbewußtsein und ersetzt eine alte Gewohnheit durch eine Neue und 120 Tage integriert es vollständig in den Alltag. Wenn "glücklich und gut" tatsächlich eine neue Gewohnheit werden soll müssen wir noch etwas durchhalten...


Sat Nam

Freitag, 5. November 2010

40ter Blogtag

Erster Schritt geschafft! 40 Tage lang "Ich bin glücklich - Ich bin gut" - Meditation. Im Kundalini-Yoga heißt es, dass nach dieser Zeit eine Veränderung im Bewußtsein stattfindet. Eine alte Gewohnheit wird durch eine neue ersetzt. Ich habe schon in den letzten Tagen gespürt, dass ich besser mit Kritik umgehen kann. Mit "glücklich und gut" ziehen mich andere negative Meinungen nicht mehr so tief nach unten wie vorher. Ich habe es sogar geschafft zu sagen (und mich gleichzeitig erschrocken, dass ich das gesagt habe): "Das ist Deine Meinung. Aber ich finde, ich mache das richtig gut." Wie ein Baum, der seine Wurzeln spürt und nicht von einem Sturm umgerissen wird. Der Wind bläst, die Äste wiegen sich unruhig hin und her, aber der Stamm bleibt stehen. Das paßt richtig gut zum Novemberwetter. 

Heute waren wir mit den Kindern auf einer großen Wiese und haben einen Drachen steigen lassen. Die Kleine hielt ihn auch begeistert fest und schaute fasziniert nach oben. Wir schauten einen Moment nicht hin und unterhielten uns. Plötzlich sahen wir sie ohne Drachenleine in der Hand. Verwundert schauten wir sie an. Sie sagte nur: "Ich hab' ihn lieber losgelassen..." Und ging gelassen an uns vorbei. Warum sollte man auch etwas festhalten, was unbedingt weg will...


Sat Nam
 

Donnerstag, 4. November 2010

Durchhalten

Heute sind wir mit dem ICE zurückgefahren. Nach fünf Stunden Fahrt mussten wir in die S-Bahn umsteigen. Die Kleine 3jährige war sehr müde und geschafft. Am Bahnsteig im S-Bahn-Tunnel hockte sie sich mit Kuscheltier und Schnuller im Mund hin, weil es keine Sitzwarteplätze mehr gab. Ich sagte ihr, dass wir bald da sind und sie es bald geschafft hat. Sie hatte die Nacht vorher schlecht geschlafen und ihre Bindehautentzündung war noch nicht ganz abgeheilt. Die S-Bahn kam und ich dachte, prima, schnell hinein, dann kann die Große im Sitzen den Koffer festhalten und ich nehme die Kleine auf meinen Schoß. Leider war die S-Bahn so voll, dass wir uns nur noch hineinquetschen und froh sein konnten, dass die Tür hinter uns zugeht. Die Kleine war von vielen Erwachsenen umzingelt und schaute hilflos um sich. Ich streichelte ihr Wange und sprach ihr Mut zu. Die Fahrt schien endlos. Nur wenige stiegen an den Stationen aus, aber noch mehr wollten hinein. Sie schaute mich an und sagte: "Mama, ich kann nicht mehr! Ich will nach Hause." Mir war so elend zu Mute, ich spürte wie auch meine Kraft nachließ und ich am liebsten los geweint hätte. Ich dachte plötzlich an die Juden, die damals in den Waggons eingepfercht zum KZ gebracht wurden. Natürlich sank die Stimmung von der Kleinen weiter. Dann fiel mir ein, dass wir in der Kinderyogaausbildung davon gesprochen haben, dass die Kinder bis ungefähr zum fünften Lebensjahr in der Aura der Mutter sind und wenig Chancen haben sich davon abzugrenzen. Wenn ich also will, dass es ihr besser geht, muss ich mich auf helle Gedanken und nicht auf düstere konzentrieren. Ich atmete tief durch, was mir zuerst sehr schwier fiel, da die Luft in dem Zug ziemlich schlecht war. Doch ich dachte daran, dass wir eben Menschen sind und alle die gleiche Luft atmen. Punkt. Ich atmete endlich tief durch und wartete auf ein Mantra. Es kam "Sat Siri Siri Akaal". Die Wassermannmeditation zum Durchhalten. Ich sang sie im Kopf, beruhigte mich und damit natürlich auch mein Kind. 

Egal wie wenig Möglichkeiten auch da sind, ein Mantra im Inneren singen, geht immer und überall. 

Sat Nam

Mittwoch, 3. November 2010

Schutzmantra

Vielleicht ist es Einbildung, vielleicht auch nicht, aber seitdem Sahib die Bedeutung vom Ad Gureh - Mantra erklärt hat, singe ich es mir immer selbst beim Schlafengehen vor und träume besser. Vorher hatte ich es eher als Schutzmantra in gefährlichen Situationen (über eine viel befahrene Straße gehen) verwendet. Sahib sagte, dass es einen lichtdurchfluteten Raum entstehen läßt, der nach oben hin spitz zuläuft. Jede dunkle Energie kann dadurch nach oben abgeleitet werden. Ich fühle mich gut damit, aber mein Kopf läuft dagegen manchmal Amok. "So ein Quatsch, dass ist reiner Aberglaube, da kannst Du auch "Backe, Backe Kuchen" singen." Ja, vielleicht. Aber Ad Gureh Nameh hört sich einfach besser an und ist interessanter zu singen. Wenn Michael Jackson "Fritten" statt "Thriller" gesungen hätte, hätte sich wohl auch nur Mc Donald's darüber gefreut...

Sat Nam   

Dienstag, 2. November 2010

Wissen im richtigen Moment

Sahib Kaur hatte uns beim letzten Ausbildungswochenende vom Wissen im passenden Moment erzählt. "Wenn ich als Lehrer vorne sitze und Schüler mir Fragen stellen, sage ich manchmal weise Sachen, von denen ich mich selbst wundere, wo die auf einmal herkommen." Besonders im Unterricht bekommen wir durch das einführende Ong Namo - Mantra Kontakt zum universellen Kundalini-Yoga-Wissen. Auch im Alltag passiert das. Jemand fragt etwas, ich halte inne und warte auf die Wörter, die aus mir herauspurzeln. Sogar wenn ich einfach sage "Das weiß ich auch nicht." fühlt es sich klarer und angenehmer an, als wenn ich nicht inne halte, keinen kleinen Atemzug nehme und rein durch den Kopf spreche. 

Ich finde es sehr beruhigend, dass das so ist. Gerade auch in Hinsicht auf die Ängste, die ich habe, wenn ich mir vorstelle eine Yogastunde zu geben. Irgendetwas fällt einem immer ein. Ich bin gespannt, welche Erfahrungen wir machen werden.


Sat Nam

Montag, 1. November 2010

Offene Kinderherzen

Heute konnte ich beobachten wie zwei ungefähr dreijährige Kinder tiefen Kontakt aufnahmen. Sie setzten sich unter einen Schreibtisch und verkündeten, sie säßen jetzt in einer Höhle. Dann war Stille. Obwohl die Lippen zunächst stumm blieben, hatte ich den Eindruck sie unterhalten sich. Als würden ihre Herzen Lichtstrahlen austauschen. Sie hielten Plastikperlenketten in den Händen und spielten damit jeder für sich in Gedanken versunken. Zwischendurch schauten sie sich an. Nach einer Weile redeten sie. "Mein Papa muss immer weg zur Arbeit." Stille. Blicke wurden ausgetauscht, Mimiken veränderten sich. Stille. Dann sagte das andere Kind: "Meine Mama muss auch in die Arbeit." Wieder Stille. "Der Papa kommt immer wieder." Stille. "Ja. Die Mama auch." 

Sie hatten sich gegenseitig auf ihre Art ihr Herz ausgeschüttet. Nach einer Weile krochen sie wieder aus ihrer "Höhle" heraus und spielten gut gelaunt weiter.

Wenn sich zwei Menschen mit offenem Herzen gegenüber treten, kann Klarheit und Tiefe entstehen, die nur wenige Sätze brauchen. Eine gute Motivation für die Herzöffner-Meditation.


Sat Nam