Dienstag, 28. September 2010

Happy Rapper funktioniert tatsächlich

Nachdem ich heute Morgen wieder 11 Minuten lang mein Mantra ("Ich bin glücklich, ich bin gut,...) gesungen hatte, ging ich in die Küche und blätterte in der Zeitung. Mitfühlend lass ich den Artikel über die Eltern, die ihren Sohn seit drei Wochen vermissen und verzweifelt im Fernsehen an den möglichen Entführer oder Verbrecher appellieren. Eine furchtbare Sache. Und seitdem ich eigene Kinder habe, fühle ich noch stärker mit der Verzweiflung. Es macht mir aber auch Angst. Was wäre, wenn das meinen Kindern passieren würde. Ein schreckliches Gedankenkarussel begann. Mein Nacken verspannte sich, meine Finger wurden starr, mein Atem blieb im Brustkorb stecken. Nein, bitte nicht. Bitte nicht diese grausamen Gedanken, die mir schaden und niemandem helfen. Plötzlich meldete sich meine innere Stimme und sang ("Ich bin glücklich, ich bin gut..."). Ich war überrascht und schämte mich ein bisschen. Darf ich glücklich sein, obwohl es anderen Menschen sehr schlecht geht? Das Mantra wurde lauter in mir. Mein Atem wurde tiefer, meine Verspannungen lösten sich langsam. Ich ging zu meiner ältesten Tochter und weckte sie sanft. Unschuldig lag sie in ihrem Bett, lächelte noch bevor sie ihre Augen öffnete und streckte sich. Ich streichelte ihre Wange. Tränen stiegen in meine Augen. Tränen der Rührung. Ja, ich bin glücklich und dankbar. Und ich kann mit Menschen, denen es schlecht geht, mitfühlen ohne mich dabei zu verlieren. Ja, das geht tatsächlich.  

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